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Studienradar

CAR-T-Studienradar, August 2026

  • 31.08.2026

CAR-T-Studienradar, August 2026 

At a Glance

 

1) Österreichweite Real-World-Daten zu Ide-cel und Cilta-cel beim multiplen Myelom: Bei RRMM wurden Ide-cel und Cilta-cel in einer landesweiten österreichischen Kohorte untersucht. Wichtige Eckpunkte: Cilta-cel zeigte höhere ORR- und CR-Raten; echte extramedulläre Erkrankung war mit schlechterem PFS assoziiert; ein gutes Ansprechen auf die Bridging-Therapie war mit günstigeren Verläufen verbunden. (Strassl et al., British Journal of Haematology)

2) DESCAR-T: Eine partielle Remission an Tag 30 bedeutet nicht zwangsläufig CAR-T-Versagen. In der französischen Real-World-Kohorte mit 1.542 LBCL-Patient konvertierten 35,5 % der Patient mit partieller Remission oder stabiler Erkrankung an Tag 30 später noch zur kompletten Remission. Die Mehrheit hatte jedoch ungünstigere Verläufe, was für ein risikoadaptiertes frühes Monitoring spricht. (LYSA/DESCAR-T, Bone Marrow Transplantation)

3) Transformierte indolente Lymphome zeigen nach CD19-CAR-T günstige Real-World-Ergebnisse. In der italienischen CAR-T-SIE-Analyse mit 438 Patient waren Ansprechen, 2-Jahres-PFS und 2-Jahres-OS bei transformierten indolenten Lymphomen günstiger als bei de-novo-DLBCL, bei vergleichbarer CRS- und ICANS-Sicherheit. Ein hoher CAR-HEMATOTOX-Score blieb in beiden Gruppen ein ungünstiger Prognosemarker.
(CAR-T-SIE, European Journal of Cancer)

4) CD19-CAR-T-Zellen können bei Langzeitrespondern mit B-Zell-Lymphomen über viele Jahre persistieren. Die Analyse liefert neue Einblicke in die Biologie sehr langfristiger Remissionen und ist zugleich für die Langzeitnachsorge relevant. (Paruzzo et al., Nature Medicine)

5) Autologe BCMA-CAR-T bereits beim neu diagnostizierten Myelom: Nach kurzer BiRD-Induktion erhielten 20 Patient:innen ein experimentelles autologes BCMA-CAR-T-Produkt; 85 % erreichten eine sCR und 80 % MRD-Negativität. (Zhou et al., American Journal of Hematology)

6) CD7-CAR-T zeigt ein starkes frühes Signal bei T-ALL/LBL mit ZNS-Beteiligung. In einer kleinen Phase-I/II-Kohorte erreichten alle 30 behandelten Patient eine ZNS-Remission; CAR-T-Zellen ließen sich direkt im Liquor nachweisen. Relapse, CD7-Antigenverlust und der Einfluss einer anschließenden allogenen Stammzelltransplantation bleiben wichtige Einschränkungen. (Lu et al., American Journal of Hematology)

7) Allogene CAR-T-Zellen liefern ein klinisches Proof-of-Concept beim klarzelligen Nierenzellkarzinom. In der Phase-I-Studie TRAVERSE erreichte ALLO-316 eine ORR von 17,4 % insgesamt und 31,3 % bei Patient mit hoher CD70-Expression. Die Wirksamkeit bleibt moderat, unterstreicht aber das Potenzial von CD70 als Selektionsbiomarker für CAR-T-Therapie bei soliden Tumoren. (TRAVERSE, Journal of Clinical Oncology)

8) TP53-mutierte klonale Hämatopoese könnte einen neuen CAR-T-Risikomarker darstellen. In einer explorativen Untersuchung von 104 CAR-T-behandelten Patient war CHIP insgesamt nicht prognostisch relevant; die acht Patient mit TP53-mutierter CHIP zeigten jedoch eine geringere CAR-T-Expansion, stärkere Zytopenien und Entzündungszeichen sowie Hinweise auf ungünstigere Verläufe. (Rappa et al., Leukemia)

 

Top-Studien und Datenupdates


1. Österreichweite Real-World-Daten zu Ide-cel versus Cilta-cel

Quelle: British Journal of Haematology

Indikation/Ansatz: RRMM; kommerzielle BCMA-CAR-T-Therapie mit Idecabtagen vicleucel oder Ciltacabtagen autoleucel.

Evidenz: Retrospektive landesweite Kohorte mit 90 konsekutiven Patient:innen; 47 Ide-cel und 43 Cilta-cel; medianes Follow-up 17,6 Monate.

Ergebnisse: In der Gesamtkohorte betrug die ORR 87,9 % an Tag 90 und 57,8 % erreichten mindestens eine CR. Unter Cilta-cel waren ORR (94,9 % vs. 81,8 %) und CR-Rate (69,3 % vs. 47,8 %) höher als unter Ide-cel. Auch die 18-Monats-PFS-Rate war mit Cilta-cel numerisch günstiger (64,4 % vs. 57,0 %); 94,4 % erhielten eine Bridging-Therapie. Ein gutes Bridging-Ansprechen war mit besserem PFS assoziiert; Talquetamab zeigte hierbei ein günstiges Signal. Echte extramedulläre Erkrankung und eine bispezifische Antikörpertherapie vor Apherese waren dagegen mit schlechterem PFS verbunden.

Einordnung: Die Analysen favorisieren Cilta-cel gegenüber Ide-cel; die geringere Trennung der PFS-Kurven als in früheren Vergleichen führen die Autoren unter anderem auf die hohe Wirksamkeit des Bridgings zurück. Ein gutes Bridging-Ansprechen und insbesondere Talquetamab nach Apherese waren mit günstigeren Verläufen assoziiert, während eine bispezifische Antikörpertherapie vor Apherese das PFS ungünstig beeinflusste. Extramedulläre Erkrankung blieb ein wesentlicher negativer Prognosefaktor.


2. DESCAR-T: Was bedeutet PR oder stabile Erkrankung an Tag 30?

Quelle: Bone Marrow Transplantation

Indikation/Ansatz: LBCL nach mindestens zwei Vortherapien; kommerzielle CD19-CAR-T-Therapie.

Evidenz: Nationale prospektiv geführte Real-World-Registerkohorte mit 1.542 Patient:innen.

Ergebnisse: Einen Monat nach CAR-T befanden sich 49,1 % in CR, 28,9 % in PR und 6,1 % hatten eine stabile Erkrankung. Von 484 Patient:innen mit PR oder SD konvertierten 35,5 %, überwiegend innerhalb der folgenden sechs Monate, noch zur CR. Nach erfolgter Konversion waren Ansprechdauer und Gesamtüberleben mit jenen einer frühen anhaltenden CR vergleichbar.

Einordnung: Ein Tag-30-PET mit PR oder SD ist nicht automatisch als Therapieversagen zu werten. Gleichzeitig war das mediane EFS in diesen Gruppen deutlich kürzer, sodass insbesondere bei ungünstigen Risikomerkmalen ein enges Monitoring sinnvoll erscheint. Der vorgeschlagene Risikoscore für spätere CR und Outcome benötigt prospektive externe Validierung.


3. CAR-T-SIE: Gute Ergebnisse bei transformierten indolenten Lymphomen

Quelle: European Journal of Cancer

Indikation/Ansatz: Transformierte indolente Non-Hodgkin-Lymphome im Vergleich mit de-novo-DLBCL nach kommerzieller CD19-CAR-T-Therapie.

Evidenz: Multizentrische Real-World-Analyse mit 438 Patient:innen, davon 107 mit transformiertem indolentem Lymphom.

Ergebnisse: Bei transformierten Lymphomen betrugen ORR und CR-Rate 83 % beziehungsweise 62 %, gegenüber 69 % und 53 % bei de-novo-DLBCL. Das 2-Jahres-PFS lag bei 44 % versus 31 %, das 2-Jahres-OS bei 61 % versus 48 %. CRS und ICANS waren vergleichbar. Ein hoher CAR-HEMATOTOX-Score blieb ein deutlicher ungünstiger Prognosemarker.

Einordnung: Die transformierte Histologie ist nach diesen Daten kein per se ungünstiger CAR-T-Prognosefaktor. Die Arbeit stärkt zugleich die klinische Bedeutung des CAR-HEMATOTOX-Scores über unterschiedliche Lymphomhistologien hinweg. Die Gruppe mit transformiertem Marginalzonenlymphom war allerdings sehr klein.


4. CD19-CAR-T-Persistenz bis zu zehn Jahre

Quelle: Nature Medicine

Indikation/Ansatz: B-Zell-Lymphome nach 4-1BB-kostimulierter CD19-CAR-T-Therapie.

Evidenz: Retrospektive Langzeitanalyse von 38 Patient:innen aus einer Phase-IIa-Studie.

Ergebnisse: Bei 5 von 8 Langzeitrespondern mit mehr als fünf Jahren Nachbeobachtung waren CAR-T-Zellen weiterhin nachweisbar. Bei einer besonders detailliert untersuchten Person bestanden nach 9,3 Jahren oligoklonale, proliferative Effektor-Memory-ähnliche CAR-T-Zellpopulationen.

Einordnung: Die Daten zeigen, dass CAR-T-Zellen über viele Jahre funktionell persistieren können und sind relevant für die Langzeitnachsorge. Die besonders tiefe Multiomics-Charakterisierung beruht allerdings wesentlich auf einer einzelnen Person. Aus der Persistenz lässt sich kein kausaler Zusammenhang mit der Langzeitremission ableiten; anhaltende B-Zell-Aplasie und Infektionsrisiken bilden die mögliche Kehrseite.


5. Autologe BCMA-CAR-T als Teil der Erstlinie beim neu diagnostizierten Myelom

Quelle: American Journal of Hematology

Indikation/Ansatz: Neudiagnostiziertes multiples Myelom; zwei Zyklen BiRD aus Clarithromycin, Lenalidomid und Dexamethason, anschließend autologe BCMA-CAR-T; ASCT nach Patientenentscheidung.

Evidenz: Prospektiv, einarmig, n = 20. Nach CAR-T erreichten alle Patient:innen mindestens eine VGPR; 85 % eine stringente CR und 80 % MRD-Negativität. CRS war auf Grad 1–2 beschränkt, ICANS wurde nicht beobachtet. Zwei Patienten starben im Langzeitverlauf an Infektionen.

Einordnung: Innovativer Versuch, autologe CAR-T in die Erstlinie zu verschieben und früh tiefe Remissionen zu erzeugen. 


6. CD7-CAR-T bei T-ALL/LBL mit ZNS-Beteiligung

Quelle: American Journal of Hematology

Indikation/Ansatz: R/R T-ALL/LBL mit ZNS-Beteiligung; nicht geneditierte CD7-CAR-T-Zellen.

Evidenz: Phase-I/II-Auswertung mit 30 Patient:innen.

Ergebnisse: Alle 30 Patient:innen erreichten eine ZNS-Remission; bei 22 von 24 Patient:innen mit Knochenmarkbefall wurde eine MRD-negative CR erzielt. CAR-T-Zellen ließen sich direkt im Liquor nachweisen. Das geschätzte 3-Jahres-PFS betrug 45,3 %, das 3-Jahres-OS 67,9 %. Bei vier von acht Rezidiven wurde ein CD7-Verlust dokumentiert.

Einordnung: Bemerkenswertes frühes Wirksamkeitssignal in einer Hochrisikopopulation und direkter Hinweis darauf, dass CD7-CAR-T-Zellen den ZNS-Raum erreichen können.


7. TRAVERSE: Allogenes CD70-CAR-T beim Nierenzellkarzinom

Quelle: Journal of Clinical Oncology

Indikation/Produkt: Stark vorbehandeltes ICI- und VEGFR-TKI-refraktäres klarzelliges RCC; allogenes CD70-CAR-T-Produkt ALLO-316.

Evidenz: Phase-Ia/Ib-Studie; 46 behandelte Patient:innen.

Ergebnisse: Die ORR betrug 17,4 % insgesamt und 31,3 % bei Patient:innen der Phase Ib mit hoher CD70-Expression. Schweres CRS und ICANS waren selten, schwere hämatologische Toxizitäten hingegen häufig.

Einordnung: Klinisches Proof-of-Concept für ein allogenes CAR-T-Produkt bei einem soliden Tumor. Die Daten unterstreichen die Bedeutung der biomarkerbasierten Patientenselektion über CD70. Derzeit noch kleine, einarmige frühe Studie; moderate Wirksamkeit und heterogene Dosierungs- beziehungsweise Lymphodepletionsregime.


8. TP53-mutierte klonale Hämatopoese als möglicher CAR-T-Risikomarker

Quelle: Leukemia

Indikation/Ansatz: 104 Patient:innen mit NHL oder Myelom nach Therapie mit zugelassenen CD19- beziehungsweise BCMA-CAR-T-Produkten.

Evidenz: Explorative monozentrische Beobachtungsstudie mit longitudinaler Sequenzierung und Serumproteomik; n = 104.

Ergebnisse: CHIP insgesamt war nicht mit relevanten CAR-T-Outcomes assoziiert. Die acht Patient:innen mit TP53-mutierter CHIP zeigten jedoch niedrigere Thrombozyten- und Hämoglobinwerte, höhere Entzündungsmarker und CAR-HEMATOTOX-Scores sowie eine deutlich reduzierte CAR-T-Expansion. Drei Patient:innen entwickelten später TP53-positive myeloische Neoplasien.

Einordnung: Das Signal ist biologisch plausibel und könnte perspektivisch eine genotypspezifische Risikostratifizierung und Nachsorge ermöglichen. Besonders interessant erscheint die molekulare CHIP-Diagnostik bei höherem Alter (> 65 Jahre) und CAR-HEMATOTOX (≥ 2) 

 

Quellenliste

 

  1. Strassl et al.
    Real-world outcomes of ide-cel and cilta-cel in relapsed/refractory multiple myeloma: A nationwide, retrospective analysis in Austria.

    British Journal of Haematology https://doi.org/10.1111/bjh.70773

  2. Manson et al. / LYSA / DESCAR-T
    Response kinetics following CAR T-cell therapy for large B-cell lymphoma: a LYSA study from the DESCAR-T registry.

    Bone Marrow Transplantation https://doi.org/10.1038/s41409-026-03001-0

  3. Fabbri et al. / CAR-T-SIE
    Outcomes of CAR T-Cell Therapy in transformed indolent Non-Hodgkin Lymphomas and de novo DLBCL: A comparative analysis from the Italian CAR T-SIE study.

    European Journal of Cancer https://doi.org/10.1016/j.ejca.2026.116879

  4. Paruzzo et al.
    Decade-long persistence of CD19 CAR T cells in B cell lymphomas.

    Nature Medicine https://doi.org/10.1038/s41591-026-04578-1

  5. Zhou et al.
    BiRD Regimen Followed by Anti-BCMA CAR-T Cell Immunotherapy as First-Line Therapy for Newly Diagnosed Multiple Myeloma: A Prospective, Single-Arm, Phase 2 Trial.

    American Journal of Hematology https://doi.org/10.1002/ajh.70485

  6. Lu et al.
    Efficacy, Safety, and Kinetics of Naturally Selected Anti-CD7 CAR-T Cell Therapy in T-ALL/LBL With CNS Leukemia. 

    American Journal of Hematology https://doi.org/10.1002/ajh.70482

  7. Srour et al. / TRAVERSE
    Allogeneic CD70-Targeted Chimeric Antigen Receptor T-Cell Therapy for Advanced Renal Cell Carcinoma: Results From the Phase I TRAVERSE Trial.

    Journal of Clinical Oncology https://doi.org/10.1200/JCO-26-00388

  8. Rappa et al.
    TP53-mutant CHIP defines a pro-inflammatory phenotype and predicts adverse outcomes after CAR T-cell therapy.

    Leukemia https://doi.org/10.1038/s41375-026-03083-1
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