Novartis hat am 24. August 2026 acht klinische Studien des Autoimmun-/Neurologie-Programms mit Rapcabtagen autoleucel (Rap-cel, YTB323), eine autologe CD19-CAR-T-Zelltherapie, pausiert, nachdem drei Patient:innen an Komplikationen einer schweren Immunreaktion gestorben waren. Im Verdacht steht das Immun-Effektorzell-assoziierte hämophagozytische Syndrom (IEC-HS) (IEC-HS), eine seltene hyperinflammatorische Komplikation von Immun-Effektorzelltherapien. Nach Aktivierung und Expansion der CAR-T-Zellen können weitere Immunzellen, insbesondere Makrophagen, verstärkt aktiviert werden. Daraus kann sich eine sich selbst verstärkende Entzündungsreaktion mit hohen Zytokinspiegeln entwickeln, die im schweren Verlauf zu Gerinnungsstörungen, Leberfunktionsstörungen und Multiorganversagen führen kann.
Rap-cel wird in Phase-I/II-Programmen u.a. bei systemischem Lupus erythematodes (SLE)/Lupusnephritis, systemischer Sklerose, Myositis, rheumatoider Arthritis/Sjögren-Syndrom, Myasthenia gravis und progressiver Multipler Sklerose untersucht.
Davon nicht berührt sind onkologische Studien mit Rap-cel
Nahezu zeitgleich pausierte auch Bristol Myers Squibb die Rekrutierung in Studien seines CD19-CAR-T-Produkts Zolacabtagen autoleucel (Zola-cel, BMS-986353) bei Autoimmunerkrankungen. Anlass waren laut Unternehmen vorübergehende und reversible entzündliche Ereignisse; ein Zusammenhang mit den tödlichen IEC-HS-Fällen unter Rap-cel ist bislang nicht belegt.
Die Rolle neuartiger Herstellungstechnologien
Bei der Ursachensuche richtet sich der Blick unter anderem auf die Herstellungsverfahren. Sowohl Rap-cel als auch Zola-cel werden mit beschleunigten Plattformtechnologien hergestellt, die die ex vivo Expansion der T-Zellen deutlich verkürzen. Dadurch bleibt ein höherer Anteil weniger differenzierter, stammzellähnlicher Gedächtnis-T-Zellen erhalten, die über eine hohe proliferative Kapazität verfügen. Ob diese Eigenschaften zu den beobachteten Sicherheitsereignissen beigetragen haben, ist derzeit jedoch nicht geklärt. Diskutiert wird, ob eine ausgeprägte Expansion und Aktivierung der CAR-T-Zellen hyperinflammatorische Reaktionen wie IEC-HS begünstigen könnte.
Die Sicherheitsereignisse führen damit zu einer erneuten Prüfung des Risiko-Nutzen-Verhältnisses von CAR-T-Zelltherapien bei Autoimmunerkrankungen. Dabei gelten bei nichtmalignen Erkrankungen besonders hohe Anforderungen an die Sicherheit. Zugleich handelt es sich bei den bislang in CAR-T-Studien behandelten Patient vielfach um schwere, refraktäre und teils organbedrohende Autoimmunerkrankungen, bei denen etablierte Therapien nicht ausreichend wirksam waren.
Andere Entwickler setzen ihre Programme unterdessen fort. Cabaletta Bio rekrutiert weiterhin in der registrierungsrelevanten Kohorte von RESET-Myositis mit Rese-cel. Kyverna Therapeutics hat bereits mit der schrittweisen Einreichung des US-Zulassungsantrags für Miv-cel beim Stiff-Person-Syndrom begonnen; der Abschluss ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen; parallel läuft die Phase-III-Studie bei generalisierter Myasthenia gravis.
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