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Patienteninfo

Fragen aus der allgemeinmedizinischen Praxis

  • 15.09.2026
  • Ersterscheinung: krebs:hilfe!

Univ.-Prof.in Dr.in Annkristin Heine, Klinische Abteilung für Hämatologie, Medizinische Universität Graz, und Prof. Dr. Dominik Wolf, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie, Medizinische Universität Innsbruck, beantworten Fragen des Allgemeinmediziners Dr. Gustav Kamenski zum Thema CAR-T-Zell-Therapie.

1. Bei welchen Indikationen ist die CAR-T-Zell-Therapie heute in Verwendung?

Die CAR-T-Zell-Therapie ist derzeit für die Behandlung von bösartigen Erkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systems zugelassen. Behandelt werden in der klinischen Routine derzeit aggressive B-Zell-Lymphome, das Mantelzelllymphom, das follikuläre Lymphom, die akute lymphatische B-Zell-Leukämie (B-ALL) und das multiple Myelom. Meist kommt sie nach dem Versagen mehrerer Therapielinien zum Einsatz, in ausgewählten Situationen – etwa beim frühen Rückfall eines diffusen großzelligen B-Zell-Lymphoms oder beim multiplen Myelom – sogar bereits in der Zweitlinie. Darüber hinaus wird die CAR-T-Zell-­Therapie aktuell auch bei Autoimmunerkrankungen und soliden Tumoren im Rahmen klinischer Studien untersucht.

2. Wie viele Patient:innen erhalten jährlich in Österreich eine CAR-T-Zell-Therapie? Wie sind die Erfolgsraten, und wie ausgeprägt ist das Nebenwirkungsspektrum?

Im Jahr 2025 wurden in Österreich 176 CAR-T-Zell-Therapien an dafür spezialisierten Zentren durchgeführt; die Zahl steigt kontinuierlich an. Die Erfolgsaussichten hängen von der jeweiligen Erkrankung, dem Therapieansprechen vor der CAR-T-Zell-Gabe und individuellen Faktoren ab. Bei aggressiven B-Zell-Lymphomen erreichen etwa 50–80 % der Patient:innen ein Ansprechen und 40–60 % eine vollständige Remission, die bei einem Teil langfristig anhält. Somit kann die Therapie als potenziell kurativ angesehen werden. Beim multiplen Myelom werden Ansprech­raten von 70 bis über 95 % erzielt, allerdings treten trotz vollständiger Remissionen Rückfälle weiterhin häufig auf. Die Therapie kann schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen und sollte deshalb ausschließlich an erfahrenen, spezialisierten Zentren mit interdisziplinärer Betreuung durchgeführt werden.

3. Worauf sollen Hausärzt:innen nach einer CAR-T-Zell-­Therapie besonders achten?

Die Nachsorge erfolgt gemeinsam und in enger Abstimmung durch das CAR-T-Zell-Zentrum und den/die Haus­är­zt:in. Wichtig sind regelmäßige Blutbild­kon­trollen sowie die Überwachung hinsichtlich Infektionen, eines Immunglobulinmangels und anhaltender Zyto­penien sowie gegebenenfalls die Notwendigkeit einer Immunglobulin- oder Transfusionsbehandlung. Auch die Impfungen sollten in der Nachsorge regelmäßig aufgefrischt werden, wenngleich die Impfantworten schlechter als bei Gesunden sind. Neurologische Auffälligkeiten, neue Herz-Kreislauf-Beschwerden sowie unklare Allgemeinsymptome sollten ebenso frühzeitig abgeklärt und mit dem CAR-T-­Zell-Zentrum besprochen werden. Langfristige Kontrollen bleiben wichtig, da auch Spätfolgen wie kardiovaskuläre Ereignisse oder Sekundärmalignome auftreten können.

Univ.-Prof.in Dr.in Annkristin Heine
Expertin:
Univ.-Prof.in Dr.in Annkristin Heine

Klinische Abteilung für Hämatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin, Medizinische Universität Graz

© Daniel Hammelstein
Prof. Dr. Dominik Wolf
Experte:
Prof. Dr. Dominik Wolf

Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie, Sprecher des Comprehensive Cancer Center Innsbruck (CCCI), Medizinische Universität Innsbruck

© Florian Lechner
MR DR. Gustav Kamenski
Das Interview führte:
MR DR. Gustav Kamenski

Arzt für Allgemeinmedizin; ehem. Vorstandsmitglied NÖGAM; Univ.-Lektor, Abteilung Allgemeinmedizin, Zentrum für Public Health, Medizinische Universität Wien; Lektor an der KLPU Krems; Leiter Karl Landsteiner Institut für Systematik in der Allgemeinmedizin

© www.mediendienst.com

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